ROBERT ELFGEN

Raumtaucher

28.03. – 20.04.2003

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Robert Elfgen entwickelt mit seiner multimedialen Installation "Raumtaucher" ein Geflecht aus Beziehungen zwischen Heimat, Reise, Grenzen und Ritual.

Ein Foto zeigt ihn als kleinen Jungen mit seinem besten Freund, stolz posierend vor ihrer Sammlung von selbstgeschnitzten Holzschwertern. Wehrhaft gewappnet gegen alle Angriffe von außen scheinen die beiden ganz mit sich zufrieden, geborgen in dem liebevollen Blick des Fotografen. Eine ganze Welt steht offen. In einem Super-8-Film springt Robert Elfgen nach einer langen Zeit des Mutfassens eine hohe, fast senkrecht abfallende Sanddühne herunter, der Sprung in das Ungewisse scheinbar in Zeitlupe. Er macht sich auf den Weg.

Das Auto wird zum Mittel die Grenzen seiner Welt zu erweitern. Mit ihm erkundet er das Neue. Nimmt es wieder mit nach Hause und kann schließlich - als das Auto ein alter Mercedes-Krankenwagen geworden ist - das Verarbeitete in dem Fahrzeug zeigen. Er nutzt den Wagen für seine Expeditionen und fährt mit ihm zu den Ausstellungsorten um die Ergebnisse als Teil des Fahrzeugs in ihm zu präsentieren.

Robert Elfgen löst die Grenzen auf, die ihm von außen vorgegeben werden. Genau so stellt er den Sinn von Grenzen in Frage wenn er einen Schlagbaum an Orten installiert, die nicht zugänglich sind, oder zu denen kein Weg führt: etwa mitten in einem Feld. Er installiert Überwachungskameras, um die Reaktion der Passanten zu dokumentieren, wenn sie einer Schranke in einer Blumenrabatte gegenüberstehen.

Ein Schutzmann aus Metall, der über Jahre umgefahren in einem Straßengraben lag, wird auf einen Schwimmkörper geschweißt um auf die letzte Reise rheinabwärts geschickt zu werden. Freundlich reckt er mahnend den Zeigefinger. Ein Ritual das der Situation nicht mehr entspricht. Er hat keine Macht mehr sobald er auf dem Wasser ist. Dort befindet er sich nicht mehr in seinem Element. Der unterschwellige Respekt vor dem Gegenüber das die Staatsmacht symbolisiert weicht einem Gefühl des Mitleids und vermischt sich mit Trauer. Die Figur scheint auf einmal gar nicht mehr souverän, sondern ganz allein und auf dem Weg zu einem ungewissen Ende. Robert Elfgen verfolgt ihn auf dem Roller mit der Kamera bis der Schutzmann von der Wasserschutzpolizei geborgen wird.

Elfgens Arbeitsweise ist von einem wissenschaftlichen Umgang mit seiner Umwelt geprägt. Er versucht dabei die Offenheit des Prozesses zu bewahren, um dem Zufall Raum zu geben. Hierbei sind für ihn vor allem Leerstellen von Interesse, die sich aus einer Zusammenarbeit mit anderen Menschen heraus entwickeln. So entsteht ein Mikrokosmos - ein Abbild der von ihm erlebten Lebenszusammenhänge.


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