Simultanhalle_Plakat_MMOMA

 

 

Die deutsche Kunstszene ist nicht nur geprägt von weltweit bekannten Namen und starken Institutionen, sondern auch durch eine lebendige, stetig wachsende Landschaft von selbstorganisierten, nicht-kommerziellen Kunsträumen. Solche Initiativen sind wichtige Impulsgeber für die zukünftigen Programme von Museen und Ausstellungshäusern; in Moskau sind sie bisher jedoch kaum bekannt.

Der "Raum für Kunst", ein gemeinsames Projekt des Goethe-Instituts und des Moskauer Museum für Moderne Kunst (MMOMA), möchte dies ändern. Im neuen Bildungszentrum des MMOMA im Ermolaevskij Pereulok werden bis Ende 2018 unabhängige Kunsträume aus Deutschland zu sehen sein. Eingeladen werden Kunsträume mit verschiedenen Organisationsstrukturen, Finanzierungen und Programmatiken, deren Erfahrungen im lokalen Kontext interessant und nützlich sein können. Über jeweils drei Monate entwickeln sie ihr Programm vor Ort und regen so zu einem Dialog mit Moskauer Kunstinitiativen und Künstlern an.

Den Auftakt macht die „Simultanhalle“ aus Köln, gefolgt vom Leipziger Projektraum "D21" und dem Kunstraum "District" in Berlin. Sie alle präsentieren mobile, sich fortlaufend entwickelnde Programme, die Ausstellungen, Performances, Filmvorführungen und Diskussionen mit der Moskauer Kunstszene einschließen. Neben den künstlerischen Präsentationen geht es dabei immer auch um verschiedene Formen und Möglichkeiten von Selbstorganisation in der Kunst, um Konzepte, Fragen der Finanzierung und das Zusammenspiel mit anderen Akteuren aus der Kunst.

Das Programm der Simultanhalle gliedert sich in drei individuelle Abschnitte, von denen jeder einen bestimmten Aspekt der kuratorischen Praxis der Simultanhalle widerspiegelt.

 

 

______________________

15.12.2017 - 11.01.2018

 

if the body is a temple and a body is a subject and a temple has walls – it becomes apparent that a temple is a body! mit Alex Heilbron (*1987, Greenbrae, USA), Klara Kayser (*1986, Hannover, DE) und Magdalena Kita (*1983, Debica, PL)

 

Die einläutende Ausstellungsphase verbindet künstlerische Praktiken, die um Fragen des geschlechtlichen Körpers in Relation zu Aspekten der Weiblichkeit, Spiritualität und Arbeit kreisen. Ein gemeinsames Interesse der drei beteiligten Künstlerinnen, die alle im Rheinland studiert haben, ist ihre Vermessung von Ebenen des Femininen. Entlang narrativer, malerischer, skulpturaler und organisatorischer Linen wägen sie unterschiedliche Methoden der Produktion von Wissen und Wert ab. Die Ausstellung soll lesbar machen, wie aufbauend auf diesen Praktiken eine Neuformierung der befragten Entitäten stattfindet, um im Endeffekt ein Handeln zu ermöglichen.

 

______________________

15.01.2018 - 12.02.2018

 

Die Stadt dringt in das Haus

 

mit Christian Aberle (*1974, Ebersbach, DE), Lisa Busche (*1973, Hamburg, DE), Sarah Lehnerer (*1987, München, DE), Nadine Städler (*1979, Hildesheim, DE), Aleksei Taruts (*19XX, Moscow, RUS), Julia Weißenberg (*1982, Bergisch Gladbach, DE)

 

Die zweite Ausstellungsphase heißt `Die Stadt dringt in das Haus`. Hier verschränken sich die namensgebende Simultaneität der Simultanhalle und das Prinzip der Simultaneität in der futuristischen Malerei, wenn die Stadt, plötzlich transparent gemacht, thematisch in den Ausstellungsraum drängt. Mediale und institutionelle Räume greifen ineinander, klassische Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Sound, wie auch die zwischen Museum und Off-Space werden aufgelöst. Entgegen üblicher institutioneller Rahmenbedingungen soll dementsprechend bereits im Aufbauprozess der zweiten Phase der Besuch der Ausstellung und somit ein Dialog zwischen Moskau und Köln möglich sein.

 

______________________

15.02.2018 - 11.03.2018

 

mit Ivan Geddert (*1986, Slawgorod, RUS), Sophie Innmann (*1986, Münchberg, DE), Alex Nowak (*1985, Dieburg, DE) und Simon Pfeffel (*1985, Nürnberg, DE)

 

Die dritte Phase widmet sich performativen künstlerischen Ansätzen und deren Verbindung mit Malerei und Skulptur. Die vier beteiligten künstlerischen Positionen aus Düsseldorf und Karlsruhe beschäftigen sich mit der Rolle des menschlichen Körpers und dessen Inszenierung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Neben Inhalten, die sich über die Unmittelbarkeit von Handlungen ausdrücken, wird außerdem von Interesse sein, was von jenen Handlungen übrig bleibt - Instrumentarien, die den Körper zum Erschöpfen brachten, Requisiten einer Vorstellung, ekzematöse Manifestationen oder Spuren von körperlichem Abrieb. Die unterschiedliche Herangehensweisen der KünstlerInnen spiegelt sich in ihrer Bezugnahme auf die lokal ästhetischen, urbanen und sozialanthropologischen Phänomene der Stadt Moskau wider.