Natalie Obert & Jessica Twitchell

O≶T≙J≶N

23.05. – 20.06.2015

Eröffnung: Sa, 23. Mai 2015, 18 Uhr
Finissage: Sa, 20. Juni 2015, 18 Uhr


Twitchell_Obert

 

Die Ausstellung O≶T≙J≶N ist die erste Zusammenarbeit
von Natalie Obert und Jessica Twitchell.

 

TALK THE LINE
[I.-II.]
III.


Eine Linie ist individueller Ausdruck, nicht nur weil sich im Zeichnen einer Linie stets auf direkte Weise etwas Inneres einer Person in die äußere Welt einzudrücken vermag, sondern vor allem auch, weil man darüber hinaus einer bereits gezogenen Linie treu bleiben kann. Einer Linie treu bleiben in Einstellungen, Stilen und Handlungen ist dabei keine nostalgische Beschwörung einer als notorisch untreu entlarvten Authentizität (Postmoderne). Viel mehr versteckt sich hinter dem Tasten nach etwaigen Lebensmustern das Bedürfnis nach einer Art der Konturierung, anhand derer eine Person und ihre Lebenslinie für andere (und für sich selbst) überhaupt erst fassbar (weil erkennbar) wird. Solche sich mit dem Wesen der Linie verbindenden Erkenntnisstrukturen lassen sich zugleich auch auf fortführenden Ebenen nachzeichnen. So gerät man nicht zufällig in ein Unterstreichen von Traditionslinien, Abstammungslinien und Leitlinien immer dann, wenn man bestimmte (und gerade auch künstlerische) Positionen zu legitimieren sucht. Ebenfalls nicht zufällig lassen wir uns von abstrakten Linienmustern (Stadt- und U-Bahnplänen, mobilen Navigationssystemen, Diagrammen etc.) leiten und belehren, um konkrete Orientierung innerhalb einer zunehmend unüberschaubar wuchernden (Um)Welt zu erlangen. Und noch weniger zufällig stellt der logische Schluss – als kürzeste Gedankenverbindung zwischen zwei Ereignissen (es beginnt zu regnen, also greife ich nach einem Regenschirm) – eine mentale Bewegung dar, die der schlichten Effizienz einer geraden Linie in auffallender Weise ähnelt. Zwischen den graphischen Räumen eines Blattes, den physischen Räumen unserer Welt und den mentalen Räumen unseres Geistes scheinen sich also durchaus schlüssige Verbindungslinien ziehen zu lassen. Doch wie könnte sie beschaffen sein, eine Linie, die diese Räume gleichermaßen durchkreuzt? (Stefan Vicedom)



Natalie Obert // *1981 in Villingen-Schwenningen / lebt und arbeitet in Berlin / 2002 - 2006 Ausbildung zur Steinmetzin und Steinbildhauerin in Nürnberg und Laas (Südtirol) / 2006 - 2011 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und Hogeschool van Beeldende Kunsten, Muziek en Dans / Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten, Den Haag / 2011 - 2012 Meisterschülerin bei Prof. John Bock / 2012 - 2014 Mitglied im Mark Pezinger Verlag.

Jessica Twitchell // *1983 in Mellrichstadt / lebt und arbeitet in Köln / 2000 - 2003 Ausbildung zur Holzbildhauerin an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Bischofsheim (Rhön) / 2005 - 2010 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe / 2010 - 2011 Meisterschülerin bei Prof. Harald Klingellhöller.

 

1_Twitchell_Obert_Eingangssituatin

2_Twitchell_Obert_Gesiebruckte_Oufits

3_Twitchell_Obert_Garderobe

4_Twitchell_Obert_Raumansicht

5_Twitchell_Obert_Raumansicht_2

6_Twitchell_Obert_Betonguesse

7_Twitchell_Obert

8_Twitchell_Obert

9_Twitchell_Obert_Begebares_Objekt

10_Twitchell_Obert_Element_-Detail_1

11_Twitchell_Obert_Raumansicht_1

 

Fotos: Kevin Pawel Matweew