Heike Mutter und Ulrich Genth

SPEKULATIVE STRUKTUREN

20.07. – 16.08.2014

Heike Mutter und Ulrich Genth setzen sich in ihren gemeinsamen Arbeiten intensiv mit den Wechselwirkungen von öffentlichem Raum und künstlerischem Eingriff auseinander. Ihre oftmals sanft-spektakulären Arbeiten erarbeite dabei ortssensibel situative Gefüge, die über den jeweiligen Kontext hinaus, auf gesellschaftliche Strukturen und Diskurse verweisen, indem jene angeeignet, zugespitzt oder hintergangen werden. Dabei geht es ebenso um eine spezifische Rolle von Kunst, der gesellschaftlichen Funktionalisierung ihrer vermeintlichen Funktionslosigkeit.

Für die Simultanhalle realisieren die Künstler eine raumgreifende Skulptur, die im Modellbau des Museum Ludwig ihren architektonischen und städtebaulichen Kontext materiell wie strukturell schematisch aufgreift. Die Arbeit erscheint dabei als Quasi-Architektur, deren Versatzstücke zwar konkret an ihre Umgebung rückgebunden sind, sich aber einer immanenten Semantik und Logik vordergründig entzieht. So verweist sie stets auf die Fragwürdigkeit ihrer eigenen räumlichen Funktion. Zentral thematisiert Spekulative Strukturen dabei den Raum als Träger von Information. Eine Kommunikationsgesellschaft lebt von der Allgegenwart ihrer Kommunikationsnetze, einer unsichtbaren Erschlossenheit. Kein Raum ist informatisch neutral. Dinge im Raum werden so zu Formen und Medien der Information. Und dabei bildet jene simultane, immaterielle Sphäre eine hoch aufgeladene Projektionsfläche dieser Zeit. Sie erzeugt eine Form des zeitgenössisch Unheimlichen, in ihr werden Hoffnung und Paranoia verhandelt.

Parallel hierzu kann die Geschichte moderner Kunst anhand dessen beschrieben werden, wie sich eine jeweilige Arbeit in ihrer medialen Funktion als Träger von Kommunikationsprozessen positioniert, wie sie sich zum Flow der Informationen verhält, wie durchlässig sie ist und inwiefern sie sich verschließen will. Spekulative Strukturen bedient sich dabei in semantischer und materieller Anlehnung hieran einer funktionalistischen und minimalistischen Form. Einerseits wird hierbei ein Unbewusstes der Kommunikationsgesellschaft medial angesprochen und verdichtet. Andererseits wird so im Raum ein Gefüge installiert, dass in seiner heteronomen Eigenartigkeit, seiner Rätselhaftigkeit sowohl syntaktisch wie auch buchstäblich eine Leerstelle in den kommunizierenden Raum wirft, wie es dem historischen Minimalismus schon eigen war. Die Arbeit verhandelt dabei eine zeitgenössische Psychologie der öffentlichen Sicherheit, befragt den vermeintlich sicheren, guten und eigenständigen Raum des Ästhetischen und manipuliert die Muster des Informationsnetzes – und das in der Simultanhalle, in einer Entfernung von nur 300 Metern zum Bundesverfassungsschutz, der in direkter Nachbarschaft lauert.