REDESIGNDEUTSCHLAND

LEISTUNGSSCHAU 03 UND STANDARDPORTRAETLADEN 02

02.05. – 25.05.2003

0847.0000000 - 0870.000000
(02.05.03 - 25.05.03 von alt zeitrechnung)


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Vernissage 02.05.03, 19:00 Uhr
Finissage 25.05.03, 19:00 Uhr
RAGAZZI DJ Team, Berlin

Standardportraetisierung
02.05.03, 03.05.03, 04.05.03, 24.05.03, 25.05.03

www.redesigndeutschland.de
www.standardortraet.de

Das Fotoprojekt standardportraet bewegt sich als Teil und kommerzielles Produkt von REDESIGNDEUTSCHLAND im Grenzbereich zwischen Konzeptkunst, Fotografie und Design. Es steht im Mittelpunkt der Ausstellung in der Simultanhalle. Darüber hinaus zeigt die Gruppe einen Querschnitt durch die bisher realisierten Projekte, um den dritten Punkt des REDESIGNDEUTSCHLAND MANIFESTES, „REDESIGNDEUTSCHLAND wissen: Einfachst loesung sein gutst loesung“, als grundlegendes Prinzip ihrer Arbeit sichtbar zu machen.   
 
Das standardportraet folgt in seiner Ästhetik klassischen Regeln der Portraetmalerei und erzeugt durch die serielle Ausführung die Assoziation sich auf die Becher-Schule und hier insbesondere  auf Thomas Ruff zu beziehen. Da das Gegenüber aber nicht frontal, sondern im Halbprofil gezeigt wird, ergibt sich keine direkte Kommunikation mit den Porträtierten. Die Menschen scheinen jedoch ganz ähnlich wie bei Ruff etwas zu betrachten, sich zu konzentrieren, jedoch neutral, ohne Emotionen zu zeigen. Anders als bei Ruff bleibt der Hintergrund im standardportraet stets weiß, ebenso tragen die Porträtierten nicht ihre eigene, sie einer Gruppe zuordnende, Kleidung, sondern weiße T-Shirts. Sie blicken in einen Spiegel, betrachten sich also selbst, werden auf sich selbst zurückgeworfen und in der Selbstreflexion fotografiert. Im Anschluss wird jedes Foto digital bearbeitet, so dass nur noch die Gesichtszüge der Menschen das Bild bestimmen. Die Gesichter werden durch die Bearbeitung geglättet, von den Makeln des Alltags befreit. Durch diese Abstraktion der Gesichtszüge wird der Porträtierte in eine Ikone seiner selbst transformiert. Dies wird durch die Bildkomposition, die den Regeln des Goldenen Schnittes folgt, noch unterstützt.
 
Das Foto kann von dem Porträtierten über das Internet in verschiedenen Formaten bestellt werden, jedoch nicht nur von ihm, sondern auch von jedem anderen, der an dem standardportraet interessiert ist. Es steht außerdem REDESIGNDEUTSCHLAND zur Veröffentlichung in jedweder Form zur Verfügung. Der Porträtierte entscheidet sich also medial verfügbar zu sein. Er wird genau wie die Fotografie zur Massenware. So bleibt nur das hinter dem Projekt stehende Konzept im klassischen Kunstkontext diskutierbar.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem gesamten Projekt REDESIGNDEUTSCHLAND. Mit unterschwelliger Ironie werden Normen der Gesellschaft in Frage gestellt. Das Postulat, alle DIN-Normen durch RIN-Normen (redesign-Normen), die sich strikt dem Dezimalsystem unterwerfen, zu ersetzen, mag ja noch der Vereinfachung dienen. Versucht man dieses Dezimalsystem jedoch auf Zyklen zu übertragen, mit denen es nicht kompatibel ist, wie den des Jahres - das nicht ohne Grund zwischen 365 und 366 Tage hat - offenbart sich das grundsätzliche Problem absoluter Forderungen: Sie sind nicht praktikabel und bergen einen totalitären Kern, der jedoch von REDESIGNDEUTSCHLAND, das Bauhaus auf die Spitze treibend, fröhlich verfolgt wird.
 
Alles wird redesigned: von der Sprache über die Umwelt bis zum Bild. Diese Umgestaltung wird kommerziell nutzbar gemacht. Der Einzelne verschwindet hinter der Gruppe. Die Gruppe entwirft die Utopie einer neuen Moderne und bricht die selbstauferlegten Regeln um als menschenwürdiges System weiterbestehen zu können. Das scheinbar so ernstgemeinte Manifest kann nur als Spiel verstanden werden, in dem die einzelnen Mitglieder der Gruppe sich als Individuen mit einer konstruierten Rolle begreifen und nicht als Menschen, die sich über dieses Konzept definieren und so an dem selbstgewählten Anspruch scheitern müssten.
 
Als Spiel kann es gleichzeitig den unmenschlichen Kern der Avantgarde sichtbar machen und ihn trotzdem weiter tragen, mit einem Augenzwinkern und als Kommentar auf das Leben, das wir führen.


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