BEN COTTRELL

Behind the Swamp

25.10. – 30.11.2003

cottrell_1

Eröffnung: Sa. 25.10.03, 19:00 Uhr
Musik: DJ Ivan Maximilian Chantilly (London)

Museumsnacht & 20 Jahre Simultanhalle
Sa. 08.11.03, 19:00 - 03:00 Uhr
Forever and a day Büro (Berlin) presents a sound performance special

 

cottrell_2

Ben Cottrell (GB) entwickelt eine Rauminstallation in der Simultanhalle. Mit seiner Arbeit reagiert er wie stets auf den gegebenen Raum. Die Installationen Cottrells bestehen in weiten Teilen aus vorgefundenen Objekten und ‚unkünstlerischen’ Materialien aus dem Baumarkt. Seine Arbeiten machen mitunter den Eindruck von Provisorien, wirken unfertig, vermüllt. Wie dem auch sei: sie sind immer auch ästhetisch, bestimmte Bereiche sind sorgfältig komponiert, andere wiederum improvisiert; Materialien erscheinen auf uncharakteristische Weise, was authentisch wirkt, kann künstlich sein. Cottrell verwendet neben abstrakten Konstruktionen immer auch gegenständliche, referenzielle Elemente, die an die häusliche Umgebung oder andere konkrete Situationen erinnern, um im nächsten Augenblick wieder umzuschlagen in ungegenständliche Assemblagen. Die Unsicherheit, die sich aus dieser transitorischen Situation ergibt, trägt entscheidend zur verstörenden Wirkung der Arbeiten Cottrells bei.
Große, wenig fest gefügte Strukturen bilden einen Rahmen für Dinge mit multipler Identität, verstärken deren Künstlichkeit und suggerieren eine Geschichte, die sich in dieser Umgebung abgespielt haben könnte. Wie hier anklingt, kommt der Betrachter von Cottrells Arbeiten nicht umhin, Teile der Installationen als Spuren von Realität, von vergangenen Handlungen zu sehen. Dabei ist ‚Handlung’ durchaus im doppelten Wortsinn zu sehen - als allgemeine Tätigkeit und ebenso als inszenierte und choreographierte Aufführung. Die Wirkung, die seine Arbeiten hervorrufen, ist mit dem Eindruck eines verlassenen Filmsets vergleichbar. Auf eigentümliche Weise evozieren sie das Gefühl, jemand habe gerade den Schauplatz verlassen. Die Frage nach falscher oder authentischer Geschichte, die sich mit einem Raum verbindet, ist von zentraler Bedeutung im Werk Cottrells. Ihn treibt ein Interesse für Übergänge zwischen Aggregatzuständen, bodenlose Zonen zwischen Konzepten und Erfahrungen des Realen und Künstlichen, von Fakt und Fiktion, von Sicherheit und Unsicherheit. Die Vorgehensweise Cottrells beinhaltet die Verschiebung bestimmter kultureller Produkte oder Formen in andere, ihnen nicht angestammte Bereiche, die Überführung von Informationen aus der Fiktion in gebaute Realität. Wie ein Raum in einem Horrorfilm ‚geladen’ sein kann mit physischer Präsenz von etwas Ungreifbarem, so erzeugen auch Ben Cottrells Räume nicht zuletzt körperliche Reaktionen. Die Anwesenheit des Körpers tritt hierbei vielen Formen auf; der des menschlichen Körpers, des Körpers der Installation als physische Präsenz, des ersetzen Körpers, des Körpers, der die Arbeit gemacht hat, des fiktionalen, künstlichen, des anderen Körpers.