SILKE BAUER/ MANUELA LEINHOß/ GERDA SCHEEPERS

I could chair this dance

10.09. – 08.10.2006

bauer1


"I Could Chair This Dance" - Eine Herausforderung zum Tanz. Im Titel der Ausstellung drückt sich die Konsequenz dieser Situation aus: Wie tanzen drei? Die Simultanhalle zeigt Künstlerinnen, die sich als Gegenüber begegnen.

Es folgt eine Text- und Bildcollage von Silke Bauer, Manuela Leinhoß und Gerda Scheepers mit Beiträgen in dieser Reihenfolge.

Die Simultanhalle ist ein schwieriger und ein schöner Raum. Im Winter ist es dort eisig kalt, im Sommer gibt es keine Abluft und generell keine Ecke in der man sich mal zurückziehen kann. Ständig steht man sich fast gegenüber und ist trotzdem zu weit voneinander entfernt um miteinander zu reden. Die Besucher sammeln sich am Podest. Die Höhe der Halle gibt einem das Gefühl, klein zu sein. Es ist zu hell. In die Vorgaben des Raumes einzugreifen ohne trickreich zu sein, ist meistens mit einem Kraftaufwand verbunden, egal ob man nur die Wände streicht oder etwas baut oder an die Decke hängen will. Der Unterschied zwischen musealer Architektur und der Inszenierung eines Lebensraumes ist hier deutlich zu spüren.

"Wirklichkeit lässt sich nur allmählich erfahren. Beziehungen zu den Menschen, zu Dingen und Situationen, zu Bildern und Begriffen lassen sich nur langsam aufbauen. Ein Schritt setzt immer einen anderen voraus, eine Erkenntnis bedingt die andere. Wirklichkeit präsentiert sich als phantastisches Gefüge uneinsichtiger Verflechtungen."[...] "Keine magischen Sprüche, Auszählwörter, zum Auszählen von Wirklichkeit, zum Aussondern der bekannten Teile von den unbekannten, zum Festlegen eines Augenblicks in einer unbestimmten Zeit, zur Bestimmung eines Ortes in einem grenzenlosen Raum. Abgrenzen ist gleichzeitig Befreiung und Eroberung. Befreiung aus dem Gewirr der unübersehbaren Bindungen, Eroberung des durch die Abgrenzung zu eigen gemachten Raumes."[...] "Fast nie ist der Eingang auf der wichtigsten Seite des Hauses, fast immer liegt er im Winkel. Die wichtigste Seite trägt den Hausschmuck."[...] Auszüge aus "Abenteuerspielplätze - Ein Pladoyer für wilde Spiele"

Die Literatur in der Frau. Skulpturen. I. fin de siècle. Ziemlich durchgestreckte Arbeit, schwarz auf weiß, angepasst auch der umgebenden Natur. Hier spricht die Architektin im Bemühen, "sich mit ganzer Seele den Verhältnissen hinzugeben, so wie sie waren, ohne irgendeinen Versuch zu machen, sie umzudichten oder mit phantastischen Festons und Girlanden die Mängel wegzulügen"*. Aufbrechen aus Subtraktionen erfundener Gefühle, perfekter Seufzer, mimosenmauer Empfindness. Aus inneren Epochen bewusstlosen Widerstands. Dem Hang zur Entschärfung, Verharmlosung, Umdeutung. Übersetzung als Negativ. II. Der Unfall. Kristallisation. Nuancen geistigen Trainings. Neue Experimente an Thesen und Elementen: Anatomie und Schicksal, Veränderung und Austausch, Erfahrung und Vorurteil, Haltung und Verlust, Beihilfe und Unterdrückung, Servilität und geheimer Zwang, Kompromiss und Betrug, Gemütlichkeit und Elend, Euphorie und Beginn, Humanismus und Radikalität, Muskulatur und Angst, Liebe und Annexion, Dichtung und Wirklichkeit. Polytechnische Tradition. Beau travail. Maryse Holder: "Dasein", warum nicht?**

- ... Perspektive: Breakdance (einer Frau). * J.P. Jacobsen: Niels Lyhne; ** Give Sorrow Words


bauer2

bauer3

bauer4

bauer5

bauer6

bauer7

bauer8

bauer9

bauer10

bauer11