MARTIN KALTWASSER/ FOLKE KÖBBERLING

SUV

15.03. – 20.04.2008

20.04.2008
Vortrag über die Entwicklung von SUV‘s von Axel Jan Bosse,
Vorstand Kunstverein Wolfsburg und Produktplaner bei VW

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Nach Martin Buber findet der Mensch erst durch die Anerkennung eines anderen zu sich selbst und zu einem menschenwürdigen Dasein. Ich ist das, wozu ein anderer du sagt, womit dem Dialog, der gegenseitigen Öffnung zueinander, eine existentielle Bedeutung zukommt. In einer ´solchen Gesellschaft ist nicht der Einzelne als Individuum entscheidend, sondern nur mehr die kommunikativen Verbindungen zwischen den „Knoten im zwischenmenschlichen Netz“, wie der Kulturphilosoph Vilém Flusser es formulierte. Eine solche Gesellschaft ist allerdings keineswegs Realität, sondern nach wie vor utopisch, vielleicht utopischer denn je. In unserer Zeit pocht das Individuum auf seine Einzigartigkeit, seine Karriere und seine Statussymbole. Gemeinhin gilt das Recht des Stärkeren, Rücksichtnahme und Bescheidenheit sind als Tugenden etwas aus der Mode gekommen. Sichtbarer Ausdruck dieser Haltung sind trotz CO²-Debatte die so genannten Sport Utility Vehicles, auf Straßentauglichkeit getrimmte Geländewagen, kurz SUV’s. Beworben mit Worthülsen wie Freiheit, Grenzenlosigkeit und Individualität wirken sie im städtischen Umfeld irgendwie deplatziert und an den Erfordernissen vorbei geplant. Ursprünglich dem militärischen Umfeld entstammend zeugen die SUV’s eher von Eingeschränktheit und Abkapselung als von Grenzenlosigkeit. Es sei denn, es geht darum, aus der sicher abgeschotteten eigenen Situation heraus, die Grenzen anderer zu überschreiten.

Wie also ist es möglich eine solche Kapsel für den Dialog zu öffnen? Das Künstlerpaar Folke Köbberling und Martin Kaltwasser zeigte in diesem Jahr im rahmen des festivals ctm08 in Berlin bereits eine begehbare Skulptur aus gefundenen Holzresten, die sie in die Form zweier frontal kollidierender SUV’s brachten. Indem sich die beiden zerborstenen Kühlerhauben abschüssig gegeneinander neigten, rutschen die jeweiligen Insassen aufeinander zu und wurden geradezu in den Dialog gezwungen. Mit der Arbeit in der Simultanhalle widmen sich die beiden Wahlberliner noch älteren Abschottungsmechanismen: Die Bunkeranlagen des 2. Weltkriegs, einst als atlantische Schutzwälle propagandistisch gefeiert, zeigten schon vor rund 70 Jahren eindrucksvoll wie Bezeichnung und Realität auseinander klaffen können. Bereits hier dienten die Bunker weniger dem Schutz, als vielmehr dem Machterhalt eines vermeintlichen tausendjährigen Reiches. Die Menschen, gegen die sich die Bunkeranlagen und die panzerähnlichen SUV`s richten, sind sicherlich keine, mit denen man im Buberschen Sinne in einen Dialog treten möchte. Aus den Egokapseln heraus gilt es vielmehr die anderen Menschen zu beherrschen und ihnen gegenüber die eigene Überlegenheit zu demonstrieren.

 

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