PHILIPP GOLDBACH / VESKO GÖSEL

en miniature

09.08. – 05.09.2009

enminitaure1


Für Michel de Montaigne ist das Reisen ein Leben „en miniature“. „Es übt uns dauernd in der Beobachtung neuer, unbekannter Dinge.“ Und darum geht es auch Philipp Goldbach und Vesko Gösel in ihrer gemeinsamen Ausstellung. Auf ganz unterschiedlicher Weise erzählen uns ihre in der Simultanhalle versammelten Artefakte von Entdeckergeist und Abenteuerlust, von Imagination und Obsession.

Monatelang saß Goldbach am Schreibtisch und kopierte akribisch die viele hundert Seiten starken Reisejournale von Alexander von Humboldt, Robert Scott und Michel Leiris („Mikrogramme“, 2008- 2009). Begleitet werden diese zu großformatigen Bildern geronnenen Abschriften von Siebdrucken, die sich denkwürdig jeweils auf Sponsoren oder Ausrüstungsgegenstände der drei Expeditionen beziehen. Mit von der Partie ist zum Beispiel eine Anzeige für einen kostbaren Chronometer, der Humboldt als Messinstrument auf seiner Reise durch Südamerika (1799-1804) diente oder eine Werbefotografie für Fry’s Chocolate, die während Scotts Südpol-Expedition (1910-1912) entstand. Darüber hinaus zeigt Goldbach einen Ausschnitt aus der so genannten „Millionth Map“, der den Weg von Leiris’ ethnologischer Forschungsreise von Dakar nach Djibouti (1931-1933) illustriert. Wie Goldbach erzählt, handelt es sich um den Ausschnitt einer „unvollendeten Idealkarte der gesamten Welt im Maßstab 1:1.000.000, die Ende des 19. Jahrhunderts in nationenübergreifender Kooperation begonnen wurde und letztlich aus zahlreichen historischen, politischen und darstellungsspezifischen Gründen scheiterte.

Im Zentrum der Ausstellungshalle steht ein alter Faltzelt-Anhänger von 1968, ein beliebtes Reisevehikel zu DDR-Zeiten. Gösel ist schon seit längerer Zeit dabei, ein von privat ersteigertes Fotolabor aus den siebziger Jahren darin einzurichten („Herr Lindenmeirs Obsessionen“, 2007-2009): „Herr Lindenmeir steckte geschätzte 26.712 Stunden Arbeit in seinen selbstgebauten Dunkelkammer-Raum. Nach seinem Ableben, ersteigerte ich seine Obsession für einen Euro. Sein Sohn half mir dabei, die verleimte Raum- Konstruktion mit einer Kettensäge in transportfähige Stücke zu teilen.“ Einige Monate später wurde mir erst klar, was ich mit diesem, in Teile zerlegten Dinosaurier, der auf meinem Dachboden lagerte, anfangen würde. Ich würde ihn von seiner Sperrholz-Konstruktion befreien und einen alten Campifix zu meiner stets begleitenden, mobilen Obsession umbauen.“ Die ersten drei Bilderserien von diesem Prozess sind sozusagen „en miniature“ als Album zusammengefasst – die einzigen Beweise dieses privaten Tête-à-têtes zwischen Herrn Gösel und Herrn Lindenmeir.

Bewegt von der Begegnung mit dem Seltenen und Anderen, untersuchen die beiden Kölner Absolventen der Kunsthochschule für Medien mit ihrer konzeptionellen Herangehensweise nicht nur Reiseliteratur und Fotografie als historische und gesellschaftliche, sondern auch als ästhetische Phänomene und somit als Thema von Kunst.

enminitaure2

enminitaure3

enminitaure4

enminitaure5

enminitaure6