DANIELA FRIEBEL

Projektion

11.04. – 07.05.2010

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In seiner Geschichte der Kunst überschreibt Ernst H. Gombrich sein Renaissance-Kapitel mit Die Eroberung der Wirklichkeit. Er bezieht sich hiermit auf die Erfindung des zentralperspektivischen Bildkonstruktionsprinzips im 15. Jahrhundert, die wohl einschneidenste Revolution im Bildverständnis der abendländischen Kultur. Seitdem ist die Zentralperspektive als Konvention derart in das kulturelle Mark der Menschheit übergegangen, dass sie heute als selbstverständlich, als naturgegeben angenommen und ihr konstruierter, modellhafter Charakter kaum mehr wahrgenommen wird.

Diese Konstruktion rückt Daniela Friebel ins Zentrum ihrer Arbeit. In ihren zahlreichen photographischen Trompe-l'oeil-Installationen bedient sie sich zunächst der klassischen illusionistischen Kraft des zentral-perspektivischen Systems, bricht sie jedoch durch bewusste Fehlkonstruktionen der geometrischen Perspektiv-Modelle. So wird nicht die Illusion, sondern das Illusionsprinzip ausgestellt.

Auch die aktuelle für die Simultanhalle entstandene Arbeit beschäftigt sich zentral mit der Beziehung von Simulation und Realität. Sie entwirft das Modell einer perspektivischen Bildkonstruktion, jedoch frei von jeglichem illusionistischen Inhalt. Stattdessen bezieht sie sich auf die architektonische Geschichte des Ortes, der Simultanhalle – ursprünglich entstanden als Modell für das Museum Ludwig, ist diese seit einiger Zeit selbst Ausstellungsraum.

Kegelförmig angeordnete Perlonfäden greifen das Modell der Sehstrahlen, das jeder zentralperspektivischen Bildkonstruktion zugrunde liegt, raumfüllend auf. Einfärbungen auf den Fäden definieren eine imaginäre Bildebene, die den Verlauf der nördlichen Außenwand des Museum Ludwig in ihrer relativen Neigung zur nördlichen Außenwand der Simultanhalle nachvollziehen. Damit wird diese Wand, als Stellvertreter des gesamten Museumsbaus, in die Simultanhalle und damit in das eigene Modell, die eigene Simulation zurückprojiziert.

Daniela Friebel (*1975) studierte zunächst Mathematik, Amerikanistik und Spanisch in Berlin, dann Fotografie und Kunst in New York und Leipzig. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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